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Das Ende der Krawatte? Wie die Pandemie unsere Outfits verändert

Das Ende der Krawatte? Wie die Pandemie unsere Outfits verändert

In Zeiten von Homeoffice fließen Privat- und Berufsleben ineinander über. Erst ein Videoanruf, dann kurz Essen einkaufen, danach eine schnelle Telko bevor das Kind aus dem Hort abzuholen ist. Man ist zuhause aber dennoch im Job. Dadurch vermischen sich auch die Kleidungsstile.

Diesem Modewandel fühlt Stine Kindervater auf den Zahn. Die Studentin schreibt gerade an der TU München an ihrer Bachelor-Arbeit und kann bereits jetzt eines sicher sagen: Blazer oder Sakko und vor allem auch Krawatte werden seltener - nicht nur im Homeoffice.

"Casual business look" statt Krawatte

"Die Krawatte, die hat sogar ausgedient", stellt Kindervater fest. Das Silicon Valley mache es vor, Mark Zuckerberg im T-Shirt, Steve Jobs mit seinem Rollkragenpullover - sie signalisierten der Welt damit, dass man für Erfolg keinen Dresscode mehr braucht, keine Krawattenpflicht. Seit 2015 sei das in verschiedenen Unternehmen zu sehen, wie bei Siemens, wie bei der Münchener Rück: Auch große Konzernchefs verzichten immer häufiger auf die Krawatte und bevorzugen den "casual business look".

Die Krawatte auf dem Rückzug - schon vor der Pandemie. Das ist auch eine Folge des Generationenwechsels. Und da sich bei jungen Menschen das Tragen einer Krawatte sogar negativ auf das Auftreten auswirken kann, rät Business-Coach Michael Lischka mittlerweile davon ab.

"Ältere Menschen fühlen sich mit Krawatte besser angezogen, jüngere Menschen ziehen Krawatte heute nur noch zum Abschlussball oder zur Beerdigung an, vor dem Hintergrund fühlen sie sich dann verkleidet und deswegen lautet meine Empfehlung ganz klar: Krawatte weglassen", so Lischka.

Außer es handelt sich um ein sehr konservatives Unternehmen.

Das Ende der Krawatte? Wie die Pandemie unsere Outfits verändert

Die Bequemlichkeit bleibt

Aber auch wenn Dresscodes branchenspezifisch sind: Der Trend zur legeren Kleidung ist da und hat sich in der Pandemie beschleunigt. Gerade im Homeoffice gilt oft regelrecht: oben hui unten pfui. Und nun, mit ein paar Corona-Pfunden mehr auf der Hüfte, zwicken die Standardklamotten gar noch mehr. Da greift man doch noch lieber zur Jogginghose.

Weil die Grenze zwischen Privat und Beruf immer mehr aufweicht schafft es der legere Look so auch ins Büro - weiß die Studentin Kindervater aus eigener Erfahrung. "Ich sehe das fast täglich auf meiner S-Bahn-Stammstrecke – die Leute sind seit der Pandemie legerer gekleidet. Frauen haben keine hohen Schuhen mehr an, Männer haben den Drei-Tage Bart durch den Drei-Wochen Bart ersetzt." Das Homeoffice habe seine Wirkung gezeigt, es bringe das Legere. Und "dieses Legere wird uns auch bleiben im Look, vor allem weil wir eben diese gewonnene Bequemlichkeit nicht abgeben möchten", so Kindervater. In der Pandemie wurde aus dem "Casual Friday" die "Casual Week".

Das richtige Maß

Und noch eines beschleunigt den Wandel in Sachen Dresscode. Volker Nürnberg, Professor für Betriebliches Gesundheitsmanagement, macht den Fachkräftemangel mitverantwortlich. "Arbeitnehmer können heutzutage auswählen wo sie arbeiten wollen. Besteht die Firma auf die Krawatte, hat sie schlechte Chancen im Fachkräftemangel. Wichtig ist die Unternehmenskultur und das Employer-Branding und hier müssen sich Firmen flexibler und moderner aufstellen."

Doch Kleidung hat nun mal Einfluss auf unsere Arbeitsmoral und -leistung. "Leger" muss sich dabei nicht unbedingt schlecht auswirken, so Business-Coach Michael Lischka. "Auf der einen Seite macht es Sinn, sich zur Arbeit wo auch immer ordentlich anzuziehen, damit ich nicht im Gehirn verschlunze." Auf der anderen Seite heißt Wohlfühlen weniger Adrenalin, weniger Stress und damit bessere Leistungen, davon ist Michael Lischka überzeugt. "Das ist ein bisschen wie der alte Spruch: Ich hab nichts gegen lange Haare aber gepflegt müssen sie sein." Soll heißen: das Maß macht es aus.

Ein gewisser Dresscode bleibt

Wie die Pandemie die Mode verändert hat und was uns davon bleibt - noch steht Stine Kindervater am Anfang ihrer Recherchen. Doch schon die ersten Ergebnisse lassen tief in den Kleiderschrank blicken. "Die meisten geben immer noch an, dass sie von Kleidung auf die Kompetenz schließen. Denn Kleider machen immer noch Leute und der berühmte erste Eindruck ist immer noch da. Bei der Kleiderauswahl sagen Experten der Trend geht zur Nachhaltigkeit, wir haben hochqualitative Kleidung in geringer Stückzahl und diese kombinieren wir eben miteinander."

Die Mode ändert sich und was noch vor wenigen Jahren absolut undenkbar war ist heute salonfähig. Dennoch gibt es für den Business-Coach noch klare NoGos. "Eine Jogginghose hat für mich am Arbeitsplatz nach wie vor nichts zu suchen, außer ich arbeite im Gesundheitsbereich." Auch wenn nicht unbedingt die Kleidung im Vordergrund stehen solle, sondern die Gesamterscheinung der Person - es gebe durchaus Grenzen für das Homeoffice. "Schwierig und leider viel zu häufig gesehen ist da zum Beispiel ungeduscht im Videocall oder gar direkt vom Sport verschwitzt, ungewaschene Haare - und auch die Rasiermoral hat anscheinend nachgelassen", meint Michael Lischka.

"Mit der jüngeren Generationen Z und Alpha wird der Dresscode immer wieder aufgeweicht werden", meint auch Prof. Nürnberg. Aber gewissen Mindestanforderungen würden bleiben. Denn es sei eine Wertschätzung des Gegenübers, wie man sich kleidet. "Und analog ist es ja auch im Privatleben. Hier kleide ich mich auch mal leger und zu besonderen Anlässen auch besonders gut. Das beste Beispiel aus der IT Branche ist der Facebook-Chef Marc Zuckerberg der immer im einfachen T-Shirt rumläuft aber zu seiner Hochzeit auch einmal eine Krawatte getragen hat", so Prof. Nürnberg.

Demnach wird es wohl auch weiterhin modische NoGos geben. Welche das sein werden, bleibt spannend. Immerhin haben es auch Tennissocken, Muscle-Shirts oder gar offene Männer-Schuhe zum Anzug auf den Laufsteg geschafft.